Mitten aus dem Leben — Axel Schock in “hinnerk” Hamburg, Oktober 2011:

Was banal oder kon­stru­iert daher kom­men könnte, erweist sich als genau beob­ach­tet. Tat­säch­lich basie­ren die Kurz­ge­schich­ten der im Ruhr­ge­biet leben­den Auto­rin auf Inter­views, die sie mit Freun­den und in einem Schwu­len­zen­trum geführt hat. Dies nicht zuletzt ver­leiht die­sen unauf­ge­regt erzähl­ten Erzäh­lun­gen über Schwu­len­hass, Selbst­fin­dung und Coming-out einen über­zeu­gen­den, authen­ti­schen Ton. 

Mit­ten aus dem Leben

Sabine Hut­tels schwu­ler Kurz­ge­schich­ten­band ›Slalom‹

 

von AXEL SCHOCK, hin­nerk Ham­burg 10/2011

 

Auf den ers­ten Blick sind es ganz all­täg­li­che Situa­tio­nen: Ein Kaf­fee­klatsch bei einem Freun­des­paar. Ein Enkel räumt die Woh­nung der ver­stor­be­nen Groß­mut­ter aus. Im Fami­li­en­kreise wird ein Hoch­zeits­vi­deo geguckt.

Aus die­sen zunächst recht unspek­ta­ku­lä­ren Situa­tio­nen ent­wi­ckelt Sabine Hut­tel in ihren Erzäh­lun­gen ganz unauf­dring­li­che, dif­fe­ren­zierte Moment­auf­nah­men schwu­len Lebens jen­seits des Szene-Party-Lebens. Von einem offen schwu­len Leben kön­nen die meis­ten Figu­ren in ihrem Kurz­ge­schich­ten­band ›Sla­lom‹ ohne­hin bis­lang nur träu­men. Der eine bei­spiels­weise sitzt in der nord­deut­schen Pro­vinz und betäubt seine gehei­men Sehn­süchte vor­erst noch mit Chips, ein ande­rer starrt sehn­süch­tig auf die stram­men Fuß­bal­ler­wa­den sei­ner Mann­schafts­ka­me­ra­den und traut sich ebenso wenig den ers­ten Schritt. Dann wie­der lamen­tie­ren zwei erwach­sene Kin­der am Tele­fon besorgt über die selt­sa­men Anwand­lun­gen ihres ver­wit­we­ten Vaters, der auf seine alten Tage plötz­lich mit einem ande­ren Mann zusammenzieht.

Was banal oder kon­stru­iert daher kom­men könnte, erweist sich als genau beob­ach­tet. Tat­säch­lich basie­ren die Kurz­ge­schich­ten der im Ruhr­ge­biet leben­den Auto­rin auf Inter­views, die sie mit Freun­den und in einem Schwu­len­zen­trum geführt hat. Dies nicht zuletzt ver­leiht die­sen unauf­ge­regt erzähl­ten Erzäh­lun­gen über Schwu­len­hass, Selbst­fin­dung und Coming-out einen über­zeu­gen­den, authen­ti­schen Ton.

Dieser Beitrag wurde unter hinnerk Hamburg, Presse, Rezension, Slalom abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.